Arbeit & Zukunft: Niko Paech und die Postwachstumsökonomie
Niko Paech ist Volkswirt und derzeit Gastprofessor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt („PUM“) der Universität Oldenburg. Seine Interessen und Forschungsschwerpunkte liegen in Fragen der Nachhaltigkeit und der ökologischen Ökonomie. Ähnlich wie Frithjof Bergmann sieht Niko Paech in der Zukunft für uns immer weniger lohnabhängige Erwerbsarbeit („20-Stunden-Woche“), dafür aber einen höheren Anteil an Selbstversorgung.
In diesem Vortrag, den ich bei Karma Konsum entdeckt habe, erklärt er seinen Ansatz der Postwachstumsökonomie sehr schön:
KarmaKonsum Konferenz 2011 apl. Prof. Dr. Niko Paech from KarmaKonsum on Vimeo.
Derzeit lassen sich viele aktuelle Beispiele von Projekte oder Initiativen finden (über einige habe ich ausführlich gebloggt), die in verschiedenen Ansätzen versuchen, Möglichkeiten für mehr Subsistenzwirtschaft im Alltag zu schaffen oder diese auszubauen. Beispiele sind offene Werkstätten wie BikeKitchen oder auch Hackerspaces bis hin zu großen internationalen Netzwerken wie die Open Source Ecology oder im Bereich Urban Gardening und Nahrungsproduktion Projekte wie die Prinzessinnengärten, das Kartoffelkombinat oder Stadtimkereien. Auch kommerzielle Angebote wie Mietwerkstätten zur Fahrradreparatur oder Gemüsefelder für den Selbstanbau entdecken hier Bedürfnisse und neue Märkte. Da ist im Moment sehr viel in Bewegung, immer wieder stoße ich auf neue spannende Ideen und Konzepte, es ist Aufbruchstimmung.
Für viele – ich beobachte das zumindest in meinem Bekanntenkreis – ist der Anlass für mehr Selbstversorgung oft einer verminderten Einkommenslage wie bei prekären Beschäftigungsverhältnissen, Arbeitslosigkeit, schlechte Auftragslage oder allgemein sinkendes Einkommen geschuldet. Ein Kleingarten, handwerkliches Geschick für Reparaturen, Nähkenntnisse: alles, was der Selbstversorgung dient, kann eine Stück Unabhängigkeit von Lohn- oder sonstigen monetären Einkommen schaffen und damit auch ein Stück mehr Freiheit. Nicht zu unterschätzten ist dabei aber auch die Tatsache, das Selbermachen sehr viel Spaß machen kann, das Vertrauen in die eigene Person stärkt (“Ich kann was!”) und einen anderen Bezug zur eigenen Lebensgrundlage ermöglicht.
Findet das ganze noch in einem dichten, sozialem Netzwerk statt, beispielsweise in einen Tauschring, einem Verein oder in der eigenen Nachbarschaft, dann eröffnen sich noch viel mehr Möglichkeiten, diese Unabhängigkeit weiter auszubauen. Soziale Kompetenzen, die Fähigkeit, tragfähige soziale Netzwerke aufzubauen und vor allem zu pflegen, werden gerade in diesem Kontext immer wichtiger.
Ich glaube auch, dass gerade hier noch hohen Lernbedarf gibt. Unsere Gesellschaft war lange Zeit stark auf individuelles Handeln und Konkurrenzdenken gepolt, einen kooperativen Umgang und eine Kultur des Gemeinsinns müssen wir erst wieder erlernen. Und gerade dazu leisten viele dieser oben genannten kleinen und große Projekte wichtige Beiträge, Lernumgebungen und Übungsfelder. Es passiert einiges – und das macht Hoffnung!
Schlagworte: neue arbeit, Neue Wirtschaft, Niko Paech, Postwachstumsökonomie


10. Februar 2013 um 13:30 Uhr
[...] Dr. Nico Paech und die Postwachstumsökonomie hatte ich kürzlich erst was gebloggt. Nun stieß ich neulich per Twitter auf eine dreiteilige [...]
14. Februar 2013 um 06:35 Uhr
[...] im Dezember verfasste Finn einen Blogpost über Nico Paech und die Postwachstumsökonomie. Obwohl ich ihm bei Twitter folge, habe ich seinen Blogpost verpasst und erst zu Anfang des Jahres [...]