Neue Arbeit: Günter Faltin, Entrepreneurship und das Internet halt …

Es ist schon eine Weile her, da hat mir @ZenMonkey_de ein Buch geschenkt, “Kopf schlägt Kapital” von Günter Faltin. Ich hatte bisher nur Gutes über das Buch gehört und war sehr neugierig darauf, es selber zu lesen.

Was soll ich sagen – ich hatte mir etwas mehr mehr von dem Buch erwartet. Günter Faltin beschreibt darin eine andere, neue Art des Unternehmertums, für die er den Begriff Entrepreneurship verwendet. Neuer Namen für ein altes Konzept? Nein, es geht um die Entwicklung einer kreativen Idee und die Umsetzung derselben mit Hilfe von spezialisierten Partnern – die Organisation des Zusammenspiels der einzelnen Bausteine ist die Kunst, die aus der Idee Realität werden lässt.

Er zeigt es an mehreren Bespielen auf, zunächst an seiner eigenen Gründung, der Teekampagne: Tee wird in großen Mengen und hoher Qualität aus der Herkunftsregion importiert, in zwei Größen abgepackt und per Versand an die Endverbraucher ausgeliefert. Es gibt nur zwei Sorten, Darjeeling schwarz und grün, dafür mit Rückstandskontrolle und zu einem günstigen Preis. Die Teekampagne besitzt keine Transportmittel, keine Lager, keine Abfüllanlagen, alle Aufgaben, die externe Dienstleister erledigen könne, werden an diese vergeben. So wird kaum Grundkapital benötigt und der Aufwand für die Gründung hält sich gering.

Faltin stellt weitere Beispiele vor und zeigt auf, dass die Gründung eines Unternehmens nicht zwingend von Eigenkapital für große Investitionen und Spezialwissen nötig ist. Wichtig ist die Idee, aber vor allem deren weitere geduldige Entwicklung und Ausformung bis zur eigentlichen Umsetzung. Die kann dann mit Hilfe von spezialisierten Firmen für Logistik, Bürodienstleistungen, Produktion, Montage, Abfüllung … erfolgen, für eine Vielzahl von Herstellungs- und Distributionsleistungen  gibt es eine große Anzahl von Firmen, die diese Aufgaben zu günstigen Preisen in hervorragender Qualität liefern.

Faltin beschreibt das sehr gut, mir hat vor allem auch gefallen, dass er die Unterschiede in den Denk- und Arbeitsweisen zwischen Entrepreneuren und Unternehmern alter Schule herausarbeitet. Aber mit der Zeit wurde es mir beim Lesen etwas langweilig, es wiederholten sich die Aussagen immer wieder und wieder, ab der Hälfte könnte man den Band getrost aus der Hand legen. Dabei hätte das Buch noch viel mehr Praxisbeispiele aufzeigen können – auch über die Möglichkeit der Unternehmensgründung hinaus: für soziale, kulturelle oder politische Projekte könnten die von ihm genannten Ansätze und Herangehensweisen ebenso interessant sein, um Ziele einfacher zu erreichen.

Darüber hinaus wäre es durchaus interessant ein Blick darauf zu werfen, wie sich unter neuen Produktionsbedingungen bestehende Berufe oder Betriebe verändern. Ich denke da an einen mir bekannten Handwerker, der fast nur noch am Rechner seine Wohnobjekte entwirft und konstruiert, die Teile von Fachfirmen “im Internet” lasern lässt und dann bei seinen Kunden vor Ort montiert.

Das Netz hat hier als neues, mächtiges Kommunikationsmedium eine Fülle von Möglichkeiten der Zusammenarbeit geschaffen, die es wesentlich einfacher machen, komplexe Projekte im Kooperationsverbund zu stemmen. Ein weiteres Beispiel, das mich in diesem Zusammenhang schon längere Zeit fasziniert, ist Premium Cola, die sich nicht als Firma sehen, sondern als “Betriebssystem”, als Kollektiv, das sich ein Produkt selber herstellen lässt, das der Markt nicht fähig ist zu liefern. Vielleicht auch ein wenig “ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt”? Irgendwie schon!

Zurück zum Buch. Lesenswert ist es schon, um sich mit dem Thema vertraut zu machen, aber kaufen würde ich es mir wohl nicht. Einfach mal in der nächsten Bibliothek danach kucken. Aber doch an dieser Stelle nochmals vielen Dank an Thomas – ich habe viele Anregungen daraus mitnehmen können.

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2 Kommentare zu „Neue Arbeit: Günter Faltin, Entrepreneurship und das Internet halt …“

  1. uwe sagt:

    danke für die blumen :-) ich hab den günter faltin mal kennengelernt (http://www.entrepreneurship.de/artikel/premium-cola-eine-gruendung-aus-komponenten/) und finde den ansatz immer noch überzeugend. wir haben das aber schon gemacht, bevor es das buch gab :-) und das buch klammert den m.e. entscheidenden teil aus, nämlich: was ist ist die leistung des unternehmers, nachdem die gründung passiert ist? wer kümmert sich darum, dass alle “externen” partner (“niemand ist extern, alles was du tust oder nicht tust wirkt sich irgendwo aus” heisst es bei uns) so gut wie möglich behandelt und betreut werden? wer sorgt dafür, dass bedarfe und anteile moderiert und balanciert werden? der markt? :-) oder der angestellte geschäftsführer? wenn der primär gewinn-orientiert denkt und handelt, ist ein aus komponenten gegründetes unternehmen nicht besser als ein konventionelles. nach der gründung fängt die arbeit nämlich erst an, und das moderieren und balancieren der beteiligten ist die eigentliche aufgabe und dauerhafte kern-leistung des unternehmers.

  2. finnsland sagt:

    Danke für die wichtigen Ergänzungen!
    Und hier auch noch zur Vollständigkeit der Link zu weiteren Büchern um das Thema alternative Wirtschaftsformen, den Du gewittert hattest: http://www.premium-cola.de/betriebssystem/literatur

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