Neue Arbeit: Open Source Ecology

Gestern war ich das erste Mal in der Brotfabrik im Nachbarstadtteil Frankfurt/Hausen beim Webmontag. Zum Webmontag trifft man sich Abends für zwei Stunden, es gibt ca. 1,5 Stunden Programm mit kurzen, maximal 15 minütigen Vorträgen zu verschiedensten Themen rund um Web 2.0 und viele Gelegenheiten zum sich gegenseitig Kennenlernen, für Gespräche, zum knüpfen von Kontakten und zum ausbrüten von neuen gemeinsamen Projektideen. Obwohl Frankfurt ja klein ist, war ich sehr erstaunt, wie viele Leute ich dort schon kannte und neu kennenlernte.

Ein Vortrag über Open Source Hardware hat mich nachhaltig fasziniert. Nikolay Georgiev stellte das 2004 gegründete Netzwerk Open Source Ecology vor, ein Projekt, in dessen Kontext Landwirte, Techniker und Interessierten, die zusammen das Global Village Construction Set (GVCS)) entwickelten, ein freies und offen dokumentiertes modulares System, mit dem sich auf Grundlage eines Traktors als Grundmaschine … ach was, kuckt einfach mal dieses Video an, das erklärt viel mehr:


Im Rahmen dieses Projektes wird die Idee von Open Source Hardware nochmal auf eine ganz neue Ebene gehoben. Fand ich schon die Idee und die Umsetzung von 3-D-Druckern und ähnlichen Gerätschafen, die in vielen Hackerspaces zu finden sind, faszinierend genug, scheint das Global Village Construction Set nun wirklich den Durchbruch von Open Source Hardware für den Alltagsgebrauch in der landwirtschaftlichen und handwerklichen/industriellen Produktion geschafft zu haben und so ganz neue Möglichkeiten der Existenzgründung und Existenzsicherung zu eröffnen. Vor allem entstehen für ärmere Länder oder Regionen Chancen zur Entwicklung von lokalen (technischen) Strukturen und Möglichkeiten zur regionalen Selbstversorgung, die leicht finanzierbar sind und vor allem mit den Mitteln, die vor Ort verfügbar sind, aufgebaut und instand gehalten werden können.

Das Internet als schneller, günstiger und medial vielseitiger Infokanal zur Dokumentation und Weiterentwicklung des GVCS spielt dabei eine entscheidende Rolle – Baupläne, Bauanleitungen, Lehrvideos, Supportforen sind von überall aus schnell erreichbar und alle Neuerungen können sofort eingepflegt, kommuniziert und auf Alltagstauglichkeit geprüft werden und das Projekt so schnell und effizient weiterentwickelt werden.

Hier noch ein TED-Video des Open-Source-Ecology-Gründers Marcin Jakubowski, in dem er die Idee noch mal sehr schön beschreibt:

Und noch ein paar Links zum Thema:

Einen Podcast von Breitband (Deutschlandradio): http://breitband.dradio.de/traktoren-aus-offener-quelle/

Der deutschsprachige Bereich auf der OSE-Community-Seite:  http://opensourceecology.org/wiki/Main_Page/de
Ein Wikipediaartikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Source_Ecology

By the way: Nikolay Georgiev sucht derzeit einen Praktikumsplatz für 3-6 Monate in Richtung Maschinenbau/Hydraulik im Rhein-Main-Gebiet, gerne Nähe Darmstadt. Wer einen Tipp hat, bitte kurz melden - Danke!

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2 Kommentare zu „Neue Arbeit: Open Source Ecology“

  1. jke sagt:

    Yeah, willkommen beim Webmontag! Eigentlich ist es auch ein Fehler, dass er WEBmontag heißt, weil das Themengebiet viel weiträumiger ist.

    Bei dieser open source ecology hatte ich etwas Bedenken. Das ist vom Prinzip her gut, aber imo viel zu sehr aus amerikanischer Sicht bzgl. der Verfügbarkeit von Materialien. Bei http://www.afrigadget.com haben wir z.B. Maschinen reingestellt, die Leute in Afrika bauen. Da is fast nichts genau nach Maß gemacht so wie es die open source ecology vorsieht. Ebenso gibt es dort keine Hydraulik-Systeme. Daher denke ich mir bei dem Projekt: toll, aber eher was für industrialisierte Länder, in denen die Rohstoffe verfügbar sind. Das gebaute Gefährt wäre ja noch nicht mal in Dland zugelassen für die Straßen.

    Nicht ohne Grund ist auch Paul Polak so beliebt in den USA http://www.paulpolak.com/

    Allerdings gibt es auch keine einzige Lösung. Die Leute bauen einfach das was sie wollen und was sie sich leisten können und was sie kennen und verstehen. In den USA mit ihrer read-to-consume culture scheint es wie so ein Befreiungsschlag zu sein, diese aufblühende DIY-Kultur in den letzten Jahren. Was für mich auch den Erfolg dieser open source ecology erklärt (+ wie sich USAmerikaner für etwas begeistern und es unterstützen können, im Gegensatz zu Deutschland usw.).

    Der nächste Webmontag wird auch interessant! Mit FabLab…

  2. finnsland sagt:

    Danke fürs Willkommen – beim nächsten Termin bin ich auf jeden Fall dabei, bei dem Thema sowieso!

    http://www.afrigadget.com ist ja super-interessant, sehr beeindruckend, was da mit minimalen Mitteln auf die Beine gestellt wird, diese Art von Kreativität würde ich mir hier in den entwickelten Ländern auch mehr wünschen, da ist einiges verloren gegangen.

    Das mit der Straßenzulassung in Deutschland dachte ich mir auch, abgesehen von Problemen Berufsgenossenschaften, wenn die Maschinen im größeren gewerblichen Umfang mit Angestellten eingesetzt werden, aber vielleicht ist das auch nur eine Frage der Zeit, bis länderspezifische Vorgaben der Arbeits- und Unfallsicherheit in solche Community-Entwicklungen mit einfließen – zumal die ja nicht ganz unsinnig sind.

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