Arbeit & Zukunft
Nichts Neues: Unsere Arbeitsgesellschaft unterliegt seit einigen Jahrzehnten einem umfassenden Wandel, von der ursprünglich starken Prägung einer Industrie- und Produktionsgesellschaft zur Wissens-, Informationsgesellschaft und Dienstleistungsgesellschaft. Mit dem Einzug von Computern zunächst in die Produktion und dann sehr schnell in den Verwaltungen und Büros und seit diesem Jahrzehnt der Verbreitung des (Breitband-)Internets im Produktivbereich hat sich die Arbeitswelt rasant verändert und wird sich noch weiter stark verändern.
Viele Berufe sind neu entstanden (Webdesigner, Programmierer), viele Berufe sind innerhalb einer Generation ausgestorben (Schriftsetzer, Kohlehändler, technischer Zeichner). Berufsfelder sind mit einander verschmolzen (Mechatroniker, Informatikkaufmann), der Dienstleistungssektor hat neue Bedeutung und Gewichtung bekommen.
Neue Maschinen, Automationstechniken und Steuerungsverfahren haben viele körperlich belastende, monotone und gefährliche Arbeiten entweder ersetzt oder einfacher gemacht und so in vielen Bereichen menschliche Arbeitskraft überflüssig werden lassen. Ob Roboter in der Autoindustrie, intelligente Transporttechnologie in Hochregallagern, Fertigungsstraßen in der Lebensmittelindustrie, Vollernteautomaten in der Landwirtschaft – Menschen nehmen immer mehr eine steuernde und planende Rolle ein. Zu der Tatsache, dass immer weniger Menschen benötigt werden komme noch, dass immer mehr Fach- und Prozesswissen für die jeweiligen Arbeitsbereiche und eine entsprechend anspruchsvolle Ausbildung nötig wird. Einfache Arbeitsplätze für Ungelernte bzw. Arbeitsplätze, für die man schnell angelernt werden kann, werden immer seltener.
War mit dem technischen Fortschritt und der Automatisierung der Produktion vor nicht all zu langer Zeit noch – gerade in politisch links orientierten Kreisen – die Hoffnung verbunden, der Mensch könne dadurch die Mühsal der Arbeit endlich abschütteln oder zumindest reduzieren, hat sich inzwischen eher folgendes Bild ergeben: Für einige wenige gut ausgebildete Menschen gibt es gut dotierte Stellen und Arbeit, allerdings mit hohen Anforderungen an zeitlicher, örtlicher und inhaltlicher Flexibilität und hohem Leistungsdruck durch einen verdichteten Arbeitsalltag. Dem gegenüber steht eine immer größer werdende Zahl an prekär Beschäftigten, mit Zeitverträgen, schlechten Arbeitsbedingungen und Bezahlungen, besonders im schnell gewachsenen Dienstleistungsbereich. Arbeitsstellen in klassische Berufe wie zum Beispiel im Handwerk werden immer weniger denn auch dort gibt es immer höheren Druck zur Rationalisierung und Automatisierung. Daneben scheint die Anzahl derer, die entweder arbeitslos gemeldet sind, in den verschiedensten Maßnahmen “geparkt” werden, sich schon gar nicht mehr arbeitslos melden oder als Kleinstgewerbetreibende gerade so am Rande des Existenzminimus bewegen, immer mehr zu werden.
Mit dem Wandel der Produktionsbedingungen, der technischen Möglichkeiten ändert sich daher nicht nur grundlegend unsere gesamte Arbeitswelt sondern auch die Möglichkeiten der Einzelnen im Hinblick auf gesellschaftlicher Teilhabe. War vor zwei, drei Jahrzehnten die Idee der Vollbeschäftigung durchaus realitätsnah und breiter gesellschaftlicher Konsens gehen inzwischen die Meinungen darüber sehr weit auseinander. Doch auch durch die Begrenzungen der Ressourcen des Planeten, CO2-Ausstoß und Klimawandel, wachsenden Problemen bei der ausreichenden Produktion von Lebensmitteln, der Bereitstellung von sauberem Wasser und gerade in Deutschland beginnende Probleme bedingt durch den demografischen Wandel werden viele Fragen aufgeworfen, denn unser bisheriges Wirtschaftssystem basiert auf stetigem Wachstum.
Doch was für Ideen gibt es, um Arbeit und deren Resultate neu zu verteilen, Wirtschaft neu zu definieren? Welche Utopien könnten gangbare Wege, auch im Kontext von globalen Problematiken, aufzeigen?
Ich möchte hier im Blog in einer lockeren Folge nach und nach Ideen und Ansätze, die in diesem Themenbereichen gedacht und probiert werden, beschreiben. Weniger die großen Entwürfe, die fertigen Pläne – mehr die kleinen Projekte und Initiativen, die kreative Wege suchen und ausprobieren, die Neues mit Alten verknüpfen und so vielleicht zu Bausteinen für gesellschaftliche Entwicklungen werden. Bausteine für eine Entwicklung, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen. Es gibt viel zu tun …
(Oben das Bild: Ganz rechts ist mein Großvater zu sehen. Der sich auch damals schon mit prekären Beschäftigungsverhältnissen in der Ziegelei plagen musste. Später kaufte er sich einen kleinen Hof, den er nach und nach vergrößerte, bis er bis zum Renteneintritt als Bauer davon leben konnte. Bis dahin war er noch lange als Tagelöhner in verschiedenen Berufen tätig.)
Schlagworte: Arbeit, Beruf, Gesellschaft, Utopien, Wirtschaft


