Vor einiger Zeit bin ich über die Seiten der Stiftung Industrie- und Alltagskultur auf ein Videointerview mit dem deutschen Formgestalter Karl Clauss Dietel gestoßen.
Clauss Dietel entwarf in der DDR Rundfunkgeräte, Autos, Motorräder, Produktionsmaschinen und vieles mehr. Wie auch in den anderen Interviews mit weiteren Ost-Designer/innen, die auf der Seite dokumentiert sind, gibt er einen Einblick in die Herangehensweise an Gestaltung von Industrieprodukten in einer sozialistisch geprägten Gesellschaft. Zwar waren die Designer auf der einen Seite befreit von kapitalistischen Verkaufs- und Vermarktungsmechanismen, hatten aber auf der anderen Seite mit Mangel an zur Verfügung stehenden Werkstoffen und Produktionsmaschinen bzw. -technologien zu kämpfen, die dann aber zu sehr eigenständigen Lösungswegen führen.
Die Dinge sollten dauerhaft, also lange in Gebrauch und zeitlos in der Gestaltung sein. Dietel spricht in diesem Zusammenhang auch vom “Moralischen Verschleiß”, eine Form der geplanten Obsoleszenz, bei der es nicht um die technischen Sollbruchstellen sondern um schnell wechselnde Trends, um modisch orientierte Formgestaltung geht, die schnell wieder veraltet und dadurch immer nach neuen, der nachfolgenden Mode angepassten Produkte verlangt.
Geprägt hat er auch den Begriff der “Gebrauchspatina”. Dahinter steckt die Überlegung, wie könnten Gegenstände so gestaltet werden, dass die Spuren des täglichen Gebrauchs den Dingen im Laufe der Zeit immer mehr Leben einhauchen, sie Geschichten erzählen lässt. Eine Vorstellung, die sich auch im japanischen Konzept von Schönheit und Wahrnehmung “Wabi Sabi” wiederfindet, in dem der Prozess der Alterung eines Gegenstandes durch den langjährigen Gebrauch einen Wert an sich bekommt.
Angesichts der heutigen Probleme mit mangelnden Rohstoffen weltweit und den Bemühungen, nachhaltige und langlebige Produkte zu entwickeln lohnt es sich durchaus die Arbeiten der sozialistischen Formgestalter mit einem neuen Blick wieder zu entdecken und daraus für heutige Lösungsansätze zu lernen.
Mehr Interviews mit DDR-Designern gibt es auch hier: http://www.ueberholt-und-unerreicht.de/index.html