DIY – Ölen von Holzoberflächen

Weil ich als Schreiner in letzter Zeit öfter zum Thema biologische Oberflächenbehandlung von Holzoberflächen befragt wurde, schreibe ich das hier in ein paar Worten zusammen. Hier geht es ausschließlich um das Ölen von Holzoberflächen, weil das in der Regel für Laien die praktikabelste Methode ist.

Eine offenporige, baubiologische Oberflächenbehandlung für Holz im Innen- und Außenbereich ist seit Alters her die Behandlung der Flächen mit Ölen – hier besonders Leinöl und Leinölfirnis. Leinölfirnis ist aufgekochtes, mit Trockenstoffen versetztes Leinöl. Leinöl eignet sich deshalb sehr gut, weil dessen langgliedrige Moleküle, im Gegensatz zu anderen Ölen, nach dem Trocken gut ineinander verketten und so eine beständige und robuste, aber dennoch offenporige und damit atmungsaktive Schicht bildet und sogar für Feuchträume geeignet ist. Durch das Aufkochen und die Zugabe von Trockenstoffen (Sikkativen) verringert sich außerdem die Trockenzeit ganz erheblich im Vergleich zu unbehandeltem Leinöl.

Die Verarbeitung ist einfach und kann auch von Laien gut ausgeführt werden. Vor dem Ölen sollte allerdings eine Farbprobe gemacht werden, denn Leinöl hat eine sogenannte „anfeuernde“ Wirkung: das Holz bekommt einen wärmeren, dunkleren Farbton und die Maserung wird betont. Ein Effekt, der bei den meisten Hölzern sehr schön wirkt, jedoch bei sehr hellen Hölzern (z.B. Ahorn, Fichte oder Birke) einen seltsam gelben Farbstich geben kann.

Zunächst werden die Holzteile – sofern eine hohe Oberflächengüte angestrebt wird – gewässert. Dazu einfach mit einem Schwamm und etwas warmem Wasser die geschliffenen Holzflächen feucht-nass abwaschen, damit die beim Schleifen angedrückten Holzfasern durch die Feuchtigkeit wieder aufquellen können. Die Oberfläche wird nach dem Trocken wieder etwas rau, ein weiterer Zwischenschliff mit feinem Schleifpapier bringt nun eine dauerhaft glatte Fläche.

Im nächsten Schritt werden die so vorbereiteten Holzteile mit einem dicken Pinsel und Leinölfirnis schön satt eingestrichen, wobei das Öl auch quer zur Maserung verstrichen werden soll, um ein gutes Eindringen in das Holz zu erreichen. Ich erwärme die Firnis sogar während der Verarbeitung in einem Wasserbad, damit diese dünnflüssiger wird, leichter verarbeitet werden kann und tiefer in das Holz eindringt.

Je nach Holzart, Holzqualität und Umgebungstemperatur wird die Firnis mehr oder weniger stark vom Holz aufgenommen. Nach ca. einer halben bis einer Stunde sollten jedoch die dann noch feuchten Stellen mit einem trockenen, nicht-flusenden Lappen abgewischt werden, da sich sonst hässliche, zäh-klebrige, glänzende Stellen bilden. Zum Trockenreiben eigenen sich am besten alte Baumwollfetzen wie ausrangierte T-Shirts oder Bettwäsche oder Ähnliches.

Aber Achtung! Die feuchten, ölgetränkten Lappen können sich, vor allem wenn sie zusammengeknüllt in die Ecke gelegt werden, selbst entzünden! Bitte hier äußerst vorsichtig sein, am besten die feuchten Lappen zum Entsorgen entweder in ein luftdicht abschließbares Gefäß geben (Gurkenglas, leere Farbeimer, etc.), die Tücher wässern oder gleich verbrennen.

Nach dem ersten Anstrich und der Trocknung (kann auch mal zwei bis drei Tage dauern) erfolgt ein Zwischenschliff, je nach Anspruch an die Qualität der fertigen Oberfläche mit Schleifpapier der Körnung 180, 240 oder 320. Dann ist eine zweiter Anstrich mit Leinöl erforderlich, bei dem allerdings viel weniger Öl nötig ist, da die Flächen schon gut Öl aufgenommen haben sollten. Auch hier wieder nach einer Einwirkzeit das restliche Öl gut abwischen, um fleckige Stellen zu vermeiden.

Nun hat man nach dem Trocken schon eine gute und für die meisten Zwecke ausreichende Oberfläche, die wasserabweisend aber dennoch offenporig und atmungsaktiv ist. Im Falle von Kratzern oder Abnutzungen kann diese sehr einfach ausgebessert und nachgeölt werden kann.

Wer möchte, kann die geölte Fläche mit einer dünnen Wachschicht veredeln. Diese, hauchdünn aufgetragen und mit einer Bürste nachpoliert, gibt einen schönen seidig-matten Glanz und glättet die Holzfläche noch mehr, was nicht nur optisch schön ist, sondern zusätzlichen Schutz bringt. Wachsen sollte man aber keine Flächen, die auch Wasser abbekommen können wie z.B. Arbeitsplatten, Küchentische etc., da durch Wasser auf gewachsten Flächen hell-weiße Flecken entstehen können.

Leinölfirnis sollte man nur von Herstellern kaufen, die baubiologisch einwandfreie Produkte vertreiben, da die zugesetzten Trockenstoffe unter Umständen gesundheitsschädlich sein können – hier bitte nicht sparen und im einschlägigen Fachhandel kaufen. Neben der klassischen Leinölfirnis gibt es noch eine Menge ähnlicher Produkte mit Bezeichnungen wie Grundieröl, Standöl, Imprägnieröl, die fast immer auf Leinöl basieren, aber mit anderen Stoffen, beispielsweise mit Orangenterpenen versetzt sind. Orangenterpene riechen wunderbar, aber Vorsicht, sie können auch allergische Reaktionen und Kopfschmerzen auslösen! Hier sollte man sich gut beraten lassen und bei Bedarf auch mal diese Öle im kleinen Rahmen auf Verträglichkeit ausprobieren.

Ich selber habe fast immer mit normalem Leinöl die besten Erfahrungen gemacht, allerdings gibt es für helle Hölzer, oder wenn eine schnelle Trocknung notwendig und gewünscht ist, unter den oben genannten Ölen viele Alternativen.

Zuhause, beispielsweise in der Küche, benutzte ich auch gerne alle möglichen Speiseöle (Olivenöl oder Öle mit wenig Eigengeruch) um Salatbestecke, Messergriffe und die Küchenarbeitsplatte regelmäßig zu pflegen und nachzuölen. Mit Leinöl behandelt hält länger, aber bei Salatbesteck und anderen Flächen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, ist mir Speiseöl doch lieber.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

14. Mai 2015 von finnsland
Kategorien: Küche & Haushalt, Nachhaltigkeit | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Wow! Vielen, vielen Dank für deine einleuchtenden Erklärungen. Ich könnte die Arbeitsplatte meiner Küche also auch mit Olivenöl pflegen, wenn ich das richtig verstanden habe? Sehr gut! Das wäre ja großartig.

    Wir haben unsere Böden mit einem Orangenöl geölt. Die Treppe hat ein spezielles HartwachsÖl aus dem Fachhandel abbekommen. Aber irgendwie scheint mir der Boden noch nicht ganz so glatt, wie ich ihn gerne hätte. Von der Sache mit dem Schwamm hatte ich schon gehört, aber keiner der Experten wollte mir genau erklären, wir das denn nun geht.

    Was ich auch sehr schön finde: Nach deinen Erklärungen freue ich mich wirklich aufs Ausprobieren und habe gar keine sooo große Angst mehr, alles „kaputt“ zu machen. Vielen Dank!!

  2. Klar, die Arbeitsplatte in der Küche reibe ich auch immer wieder mal schnell mit einem Speiseöl ein.

    Wegen glatter Fläche: Nur ölen ist immer eher in Richtung samtig. Mit Wachs bekommst Du mehr Glätte, das muss aber auch regelmäßig gepflegt werden.

    Früher machte man das mit Bohnerwachs und eine Blocker (http://de.wikipedia.org/wiki/Bohnerbesen) – das ist aber viel Arbeit, wäre ich zu faul. 🙂

    Kaputt machen kannste beim Ölen nix – hauptsache Du machst vorher eine Farbprobe und denkst an die Selbstentzündungsgefahr der Lappen.

    Dann mal viel Spaß!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert