Küche – so siehts aus!

Unsere Küche

Frau Rage hat sich neulich Gedanken über Küchen gemacht und diese auch aufgeschrieben. Daraus ist dann auch ein Blogstöckchen geworden, das ich gerne mal aufhebe.

Nach meiner Ausbildung als Schreiner war ich über ein Jahr (ich war jung und brauchte das Geld …) als Küchenmonteur in der südlichen Hälfte Bayerns unterwegs und habe so einige Küchen montiert, von günstigen Standard-Küchenblocks in Hochhauswohnungen bis zu raumfüllenden Designerküchen in Vorortvillen war so ziemlich alles dabei. Auch hinsichtlich der technischen Ausstattung – die wohl heutzutage noch viel beeindruckender sein kann als damals. Ich habe die Preise nicht mehr im Kopf, doch einige der Küchen kosteten Summen, die für mich unvorstellbar waren, die ich mir wohl auch nie im Leben leisten könnte (und vor allem gar nicht hätte leisten wollen). Aber ganz klar: Küchen werden nicht nur gekauft um darin Essen zuzubereiten, Küchen sind wohl in vielen Fällen Repräsentationsorte, Statussymbole wie der SUV in der Doppelgarage. Zumindest hatte ich oft bei den hochpreisigen Küchen, die ich montierte, das Gefühl, da wird nicht wirklich viel gekocht, die sind nur zum Ankucken da.

Ausnahmen bestätigten natürlich auch hier die Regel. Ich lernte in der Zeit einige Kochnerds kennen, die ihre Küche als Werkstatt sahen, in der sie wunderbare Dinge zauberten und die in den Wohnungen und Häusern der Mittelpunkt war, an dem sich alle trafen, in dem man gerne sitzt, in dem das Leben stattfindet. Da machen aufwändige Küchen durchaus Sinn!

Ich selber bin kein Freund von Einbauküchen. Zum einen bin ich in meinem Leben viel umgezogen und finde einzelne freistehende Möbel (heißt jetzt „modulare Lösung“) viel praktischer. Außerdem habe ich als Küchenmonteur oft genug ältere Einbauküchen abgebaut und fand es immer höchst erstaunlich und wenig appetitlich, was sich so hinter den fest verbauten Möbel im Laufe weniger Jahre alles ansammelt. Freistehende Möbel kann ich bei Bedarf relativ leicht vorschieben und dahinter sauber machen.

Über die Jahre hat sich bei mir ein buntes Sammelsurium an Küchenmöbeln und -Geräten eingefunden, die ältesten Stücke sind wohl an die 100 Jahre alt (zwei Thonet-Stühle oder ein altes Fenster, aus dem ich einen Hängeschrank baute), kombiniert mit neueren Möbeln, gebrauchten Geräten. Vom Sperrmüllfundstück bis zum nagelneuen Kühlschrank ist da alles dabei.

Wir kochen gerne und viel. Deshalb finden wir es praktischer, Gerätschaften, Töpfe und Utensilien, die wir eh immer benötigen, offen aufzubewahren, am liebsten in Griffweite aufzuhängen. Da sie dauern benutzt werden, verstauben diese nicht, sie sind schnell zu finden, schnell aufzuräumen – und auch Fremde finden sich in unserer Küche einfach zurecht.

An Großgeräten und Küchenmaschinen brauchen wir nicht viel. Ein einfacher Elektroherd (leider haben wir kein Gas in dieser Wohnung), ein Kühlschrank (der allerdings mit Gefrierabteil), einen Toaster, einen Blender (Mixer) und einen Wasserkocher. Eine Geschirrspülmaschine brauchen wir keine. Selbst für drei Personen ist es kein Problem, das Geschirr sofort zu spülen – einen Spülberg mit dreckigm Geschirr gibt es nie, warum auch. Ach ja – einen Passierstab haben wir auch noch – da wir Suppen lieben, ist der oft in Betrieb!

Das wichtigste ist aber der Küchentisch (der übrigens hier schon mal aufgetaucht ist). Dort wird gearbeitet, gegessen, getrunken, geredet, gelesen, gedacht, gelacht und geweint – gelebt eben. Das ist für mich das Wünschenswerteste in einer Küche: ein großer Tisch muss reinpassen, dann ist alles gut!

Noch ein Nachtrag: Ich hatte ja jahrelang als Schreiner nicht nur Küchen montiert sondern auch Küchen für meine Kunden gebaut und mich mit der Materie aus ergonomischer und gestalterischer Sicht beschäftigt. Das interessanteste und mich am meisten inspirierende dazu fand ich bei Otl Aicher in seinem Buch „Die Küche zum Kochen“. Wer sich mehr mit der Materie Küchendesign befassen möchte, sollte sich dieses Buch unbedingt ansehen!

11. April 2014 von finnsland
Kategorien: Downshifting, Küche & Haushalt | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Hi. Danke für diesen wirklich schönen Blog und den Einblick in eine zauberhafte Küche. Unsere ist ziemlich klein und ich bin ein Chaot. Von daher gibt es keine offenen Elemente. Jetzt, wo ich das Foto so sehe … denke ich doch darüber nach. Vor allem, weil sich der Inhalt der Schränke ziemlich reduziert hat.

    Und ja … ich weiss genau, was Du meinst, wenn Du von „höchst erstaunlich und wenig appetitlich, was sich so hinter den fest verbauten Möbel im Laufe weniger Jahre alles ansammelt“ sprichst. 😉 Bäh …
    lg trix

  2. Danke für das Kompliment! Das mit dem freihängenden Zeugs ist halt einfach viel praktischer, meiner Meinung nach. Ist dann wirklich nur ein Handgriff und keine rumsuchen in Schubläden oder Schränken. Und da wir immer alles gleich Spülen, brauchen wir auch viel weniger Zeugs – und daher weniger Stauraum.
    Und ja, der Schmodder hinter einer Küche, selbst wenn die sonst penibel sauber gehalten wird, lässt sich kaum vermeiden.

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