Regional Einkaufen: Honig vom Imker in Frankfurt

Das Schöne am Frankfurter Stadtteil Rödelheim ist, dass neben vielen Parks sich auch ein kleiner Fluss, die Nidda, durch den Stadtteil schlängelt und als Teil des Frankfurter Grüngürtels viel naturnahen Raum und für mich vor allem eine schöne Strecke zum Joggen bietet. Ein paar Meter von der Wohnung aus durch die Stadt in Richtung Park und dann entlang an Kleingärten, Wiesen und bewaldeten Altarmen der Nidda ist es schon fast wie auf dem Land, sofern es einem gelingt, das bei ungünstiger Windrichtung allgegenwärtige Rauschen der Autobahnen auszublenden.

Kurz nach dem Park komme ich auf meinen Weg an den ersten Kleingärten vorbei und gleich in einem der ersten Gärten hat ein Imker seine Bienenstöcke, über 20 an der Zahl. Vor ein paar Wochen traf ich ihn bei meiner Laufrunde, als er an den ersten warmen Tagen nach dem Winter nach seinen Bienen sah und ich fragte ihn, ob er auch hier vor Ort seinen Honig direkt verkaufen würde – was er auch macht.

So kaufte ich ihm gleich vier Gläser Honig ab, feinste Imkerqualität für nicht mal ganz 4 Euro das Glas. Der Honig schmeckt sehr würzig und kräftig und hat eine wunderbare goldgelbe Farbe und ich finde die Vorstellung einfach schön, dass die Bienen, die uns das Jahr über immer auf dem Balkon besuchen und den Nektar der dort blühenden Blumen sammeln, auch zu seinen Bienenvölkern gehören und ein wenig von unseren Balkonblumennektar jetzt in diesen Honig zu finden ist.

Bienenzucht in der Großstadt ist sowieso ein sehr interessantes Thema und es war mir gar nicht bewusst, dass Bienenvölker auf dem Land durch die dort immer mehr ausgeprägte Intensivbewirtschaftung großer Flächen und der daraus resultierenden Monokulturen oftmals gar keine ausreichendes Nahrungsangebot über das Jahr gesehen finden. In den Städten hingegen blüht vom Frühjahr bis zum Herbst alles mögliche: Bäume und Blumen in den Parks und in den Straßen, auf Balkons und auf Friedhöfen, in Kleingärten und an Böschungen – ein sehr vielseitiges Angebot, dass zum einen der Gesundheit der Bienen förderlich ist und zum anderen für die Menschen durch die Vielzahl von verschiedenen regionalen Pollen Allergien vorbeugen kann. Bei Analysen von Stadthonig wurden die verschiedenartigsten Pollen gefunden bis hin zu exotischen Pflanzenpollen, beispielsweise von Orchideen vom Wohnzimmerfensterbrett.

Außerdem sind die Bienen im städtischen Raum sehr viel weniger Insektiziden und Pestiziden ausgesetzt, wie sie in der Landwirtschaft im hohen Maße verwendet werden, was sich auch sehr positiv für die Gesundheit der Bienenvölker und die Qualität des Honigs auswirkt. Und was ist mit der Luftverschmutzung in den Städten? Ist das nicht ein Problem? Das regelt auf wundersame Weise die Natur: Blüten geben wohl immer nur zu bestimmten Zeiten Nektar ab, das suppt also nicht einfach so vor sich hin – und die Bienen sind so schlau sich zu merken, wann in ihrem Revier welche Blumen Nektar abgeben und fliegen eben genau zu der Zeit hin, wenn es sich lohnt. So könne sich gar keine Ruß- oder Staubpartikel auf dem Blütennektar ansammeln. Erstaunlich, zu was die kleinen Tierchen fähig sind.

Erfahren habe ich das übrigens dieses und vieles Interessantes mehr über Bienen und Bienenzucht unter anderem vor allem in diesen beiden Podcasts:

„Gelée Royal“: DocPhil vom Küchenradio im Gespräch mit Heinz Risse, einem Stadtimker in Berlin

„Bienen“: Auch hier DocPhil vom Küchenradio, diesmal mit Jürgen Tautz, einen Bienenforscher aus dem Bienenzentrum der Uni Würzburg

Und hier noch ein paar Informationen zu Bienen in der Stadt Frankfurt: http://www.evolutionaere-zellen.org/html/bienen.html

12. April 2011 von Finn
Kategorien: Frankfurt & Offenbach, Küche & Haushalt, Nachhaltigkeit | Schlagwörter: , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Toller und interessanter Artikel! Ich liebe Honig und kaufe möglichst auch nur deutschen. Leider gibt’s diese Echten Deutschen Honige meistens nicht in normalen Geschäften und wenn, dann nur eine einzige Sorte.

  2. Danke! Ja, in den Läden gibt es kaum mehr regionalen Honig, meist kommt der sogar bis aus Lateinamerika, oft jedoch eher aus osteuropäischen Ländern. Eine gute erste Infoquelle, wo denn vor Ort Imker zu finden sind, sind die örtlichen Imker-Verein, dort sind die meisten Imker organisiert. Macht auch Spaß, den Honig direkt beim Erzeuger zu kaufen, bei den meisten kann man auch mal kucken, wie das so funktioniert und preislich ist das meist auch wesentlich günstiger als im normalen Laden.

  3. Aber im Internet gibt’s jetzt Honig aus Frankfurt zu kaufen: http://bienenretter.jimdo.com/

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